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SAP + Generative AI: Praxisleitfaden für den Schweizer Mittelstand

SAP + Generative AI Integration – Praxisleitfaden Schweizer Mittelstand
15Feb
  • Aprova Engineering
  • SAP, Generative AI

SAP + Generative AI: Praxisleitfaden für den Schweizer Mittelstand

Kaum ein Schweizer Mittelstandsunternehmen kommt ohne SAP aus – und kaum eines bleibt in den nächsten 18 Monaten ohne Generative AI. Die spannende Frage: Wie bringt man beides zusammen, ohne jahrelange Konzernprojekte? Unsere Erfahrung aus der Integration von LLMs in SAP S/4HANA-Landschaften:

Wo Generative AI in SAP-Umgebungen wirklich trägt

Nicht jede AI-Idee skaliert in SAP. Vier Muster haben sich bewährt:

  • Belegextraktion (Kreditoren, Intercompany): PDF-Rechnungen werden per OCR+LLM extrahiert und direkt in FI/CO gebucht. Erkennungsrate 95 %+, Freigabe durch Sachbearbeiter per Klick.
  • Stammdaten-Harmonisierung: LLMs gleichen Lieferanten-, Material- und Kundenstämme gegen Duplikate und Schreibweisen ab. Besonders nach M&A-Integrationen.
  • Conversational Reporting: „Zeig mir die Deckungsbeiträge nach Produktlinie für Q1 in der Region West" – LLM übersetzt in SQL/SAP-Abfrage gegen SAC oder BW.
  • Service-Ticket-Assistenz: SAP-IM-Tickets werden vorqualifiziert, dem richtigen Team zugewiesen und mit Lösungsvorschlägen aus Vorgängertickets angereichert.

Integrationspfade: BAPI, OData, CPI oder RFC?

Die Wahl des Integrationspfads entscheidet über Aufwand und Stabilität:

  • OData (SAP Gateway / S/4HANA Services): der moderne Standard. REST-basiert, gut dokumentiert, ideal für neue Prozesse.
  • BAPI / RFC: für ECC und bestehende Z-Funktionen unvermeidbar. Über SAP JCo oder pyrfc ansprechbar.
  • SAP Integration Suite (CPI): lohnt sich, wenn Sie ohnehin SAP BTP im Haus haben – One-Stop-Shop für Flows, Security, Monitoring.
  • Direct DB (RISE-Umgebungen): meist nicht verfügbar, aber wo doch (S/4 Embedded Analytics) sehr mächtig.

Der Schweizer Compliance-Layer

Bevor AI-generierte Inhalte in SAP geschrieben werden, braucht es in der Schweiz ein sauberes Vier-Augen-Prinzip plus Audit-Trail. Wir empfehlen:

  • Immer Staging-Tabellen zwischen LLM und SAP. Niemals direkt buchen.
  • Freigabe-Workflow mit Rollen aus SAP GRC / SU01.
  • Änderungsbeleg (CDHDR/CDPOS) bei jeder AI-initiierten Mutation.
  • DSFA separat pro Prozess.

Konkretes Zeit-/Kostenraster

Für ein typisches Szenario „Eingangsrechnungsautomatisierung mit GenAI in S/4HANA":

  • Discovery + Datenaudit: 2 Wochen, ca. CHF 18’000
  • PoV mit 500 Belegen: 4 Wochen, CHF 35’000
  • MVP mit Staging + Freigabeworkflow: 8–10 Wochen, CHF 90’000–120’000
  • Go-live und Hypercare: 4 Wochen, CHF 25’000

Rechnet man konservativ, amortisiert sich das Setup bei einem Unternehmen mit 50’000+ Eingangsrechnungen/Jahr innerhalb von 12–18 Monaten – ohne die weichen Faktoren (Qualität, Durchlaufzeit, Mitarbeitenden-Zufriedenheit) zu bepreisen.

Was Sie jetzt tun können

  1. Identifizieren Sie zwei SAP-Prozesse mit hoher Volumenlast und klarem Business-KPI.
  2. Klären Sie die Integrationsoberfläche (OData, BAPI, CPI).
  3. Starten Sie mit einem 2-Tages-Workshop, bevor Sie eine Lizenzentscheidung treffen.